Hingehen oder nicht?

Der Oscar der Sportindustrie steht vor der Tür und wie in Hollywood fragen sich Sportenthusiasten auch dieses Jahr wieder: Wer kommt auf die ISPO? Bereits im letzten Jahr gab es einen Paukenschlag, als Burton Snowboards mitteilte, künftig nicht mehr auszustellen. Andere langjährige Partner wie z. B. die Amer Sports Group und Oberalb Group erklärten Ende 2017 ebenfalls ihren Rückzug von der Messe.

Ich besuche die Sportmesse seit Jahren und meine Beobachtungen bestätigen, dass renommierte Marken die Messe zunehmend in Frage stellen. Leider verwässern die Antworten auf die Frage des Warums von Jahr zu Jahr weiter, sodass auch ich die Reise nach München in diesem Jahr nicht antreten werde. Natürlich ist der persönliche Austausch noch immer die Grundlage für solide Geschäftsbeziehungen. Allerdings stehen nach meiner Erfahrung alle Besuchenden so unter Strom, dass wenig Substanz von den Gesprächen zu erwarten ist. Viele Ausstellenden geben ähnliches Feedback: Vorordern werden fast keine mehr geschrieben – die ISPO dient allein noch der Kontaktpflege. Wie lange kann eine Messe unter solchen Voraussetzungen weiterhin Erfolg haben?

Die ISPO selbst versucht seit Jahren, ihre Positionierung als ganzheitlich denkender Business-Partner für die Sportbranche zu sichern. Als Reaktion auf die Veränderungen am Markt und in der Gesellschaft hat sie deshalb eigene Produkte wie z. B. die ISPO Innovation entwickelt. Ob diese einen wirklichen Mehrwert liefern, muss sich erst zeigen. Auch möchte ich infrage stellen, ob eine Messe glaubwürdig den Spagat zwischen realem Beratungsangebot und Messegeschäft gegenüber ihrer Kundschaft schaffen kann. Ich persönlich finde, dass sich die ISPO mit diesen Punkten schwer tut und würde mir daher die Rückkehr zu ihrer Kerndisziplin wünschen: das Zusammenbringen von Industieren, Fachhandel und internationalen Märkten.