Offene Türen

Die OutDoor öffnet in diesem Jahr ihre Türen für Konsumenten. Um ehrlich zu sein, fiel meine erste Reaktion so aus: Oh Gott, Hunderte Enthusiasten wandern über das Messegelände! Anstatt mit einem Revolver im Schaft haben sie sich mit großen Umhängetaschen bewaffnet, um damit so viele Sticker und Souvenirs als möglich einzusammeln. Eine Messe ist doch für die Pflege von Geschäftsbeziehungen gedacht, für das Schreiben von Vorordern und den persönlichen Handshake, der Verbindlichkeit und Vertrauen im professionellen Messe-Rahmen verknüpft. Aber Mitbringsel, in Papiertüten verpackt, einzusammeln und nach Hause tragen, ohne die beigelegten Informationsmaterialien auch nur eines Blickes zu würdigen? Das kann nicht Sinn einer Handelsmesse sein. Oder? 

Natürlich steckt in dieser absichtlich überzogenen Darstellung ein wenig Realität. Doch die Chancen, die sich eröffnen, wenn auch Konsumenten an ausgewählten Tagen der Zutritt auf das Messegelände gestattet wird, sind weitaus größer als die Furcht vor an den Produkten selbst uninteressierten Stickerjägern. Die Messe Outdoor Retailer aus den USA zum Beispiel feierte mit ihrem Umzug nach Denver und einem neuen Messekonzept unheimlichen Erfolg. Genau wie in diesem Jahr in Friedrichshafen wurde auch in Denver den Endverbrauchenden zu ausgewählten Zeiten Zutritt zur Messe gewährt. Vor allem Erlebnisse und Events wie z. B. Fashion-Shows und Parties haben die Messe Dank der zusätzlichen Besucher deutlich belebt! 
  
Die Gretchenfrage, die sich die OutDoor jedoch stellen muss, lautet: Wie gehen Herstellende und Fachhandel mit diesem neuen Publikum um? Lernen Sie Ihre Kunden besser kennen, lautet mein Vorschlag. Was für eine Chance – vor allem für Markenherstellende und Vertriebsmitarbeitende, die ja im alltäglichen Geschäftsbetrieb nur selten oder gar nicht mit ihren Endkunden im Kontakt stehen. Marketingabteilungen fragen sich ununterbrochen, was die „Zielgruppe“ beschäftigt. Da bietet ein lebendigeres Messekonzept die ideale Chance, dieser Frage konkret nachzugehen und mit den Endkunden ins Gespräch zu kommen. Je offener Marken und Fachhandel dies gestalten, desto spannender wird der Austausch und desto wertvoller sind die Erkenntnisse, die daraus resultieren. Kunden lieben es, wenn Marken ihnen zuhören und an ihrer Meinung interessiert sind.
  
Eines gefällt mir jedoch an diesem neuen Schritt am besten: es verdeutlich, dass der Outdoor-Markt, wie jeder andere Markt auch, eben nicht nur aus Herstellenden, Fachhandel und Lieferanten besteht – sondern auch aus Endkunden. Die Zusammenführung an realen Orten, zum Ausgleich vieler digitaler Möglichkeiten, sehe ich als starkes Konzept für die Zukunft.