Zahlenspiel

Der demografische Wandel ist längst kein Geheimnis mehr. Frauen und Männer leben heute in der westlichen Welt im Schnitt 86 bzw. 81 Jahre. Die Veränderungen, die mit steigender Lebenserwartung einhergehen, sind in der Wirtschaftswelt bereits zu spüren und veranlassten die EU, das Projekt „Best Agers“ ins Leben zu rufen – eine Initiative, die die Erfahrungen und Expertise der über 55-Jährigen zum wirtschaftlichen und sozialen Vorteil aller nutzen will.

Auf politischer und kultureller Ebene sind die „Best Ager“ also bereits Thema. Doch wie nimmt der Handel die über 55-Jährigen wahr? Wissen Sie, wie sich der hohe aktive Freizeitgrad vieler „Best Ager“ auf Ihre Umsatzzahlen auswirkt? Oder gehen Sie davon aus, dass das Interesse an Neuerungen, die Neugier am Ausprobieren und Eingebunden sein mit zunehmendem Alter schwindet? Vielleicht sind die über 55-Jaehrigen auch nur eine zusätzliche Zielgruppe für Sie, die über eine hohe Kaufkraft verfügt?

So wie ich die „Best Ager“ erlebe – im Familienkreis, als Geschäftspartner und Kollegen – wollen sie zuallererst einmal nicht über ihr Alter definiert werden. Denn so modern wie der Titel „Best Ager“ anmutet – er ist nur ein besser klingendes Wort für „Senioren.“ Und wenn der Begriff fällt, denken wir nicht an Menschen, die ihr Interesse an Innovationen, Reisen und Sport aktiv ausleben. Stattdessen: Seniorenhandys mit besonders großen Tasten oder Tagesfahrten in nahegelegene Kurorte.

In der Realität stehen die „Best Ager“ häufig noch aktiv im Berufsleben oder machen sich, mit jahrzehntelanger Erfahrung im Rücken, sogar selbstständig. Sie sind aktiver Teil unserer Gesellschaft und wollen als solcher auch wahrgenommen und eingebunden werden. Wir brauchen keine neuen Kommunikationsstrategien oder „altengerechte“ Produkte, die im Handel am anderen Ende von Technik und Innovationen aufgebaut sind. Nein. Es geht um ein Miteinander, um das Dazugehören – egal welches Geburtsjahr im Ausweis steht.


Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf SAZsport.