Wo kommen Ihre Fachkräfte her?

„Wenn das Angebot an MINT-Arbeitskräften (Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker) wächst, dann erhöht das die Innovationskraft der exportstarken deutschen Industrie“, so die Kernaussage des Berichts „MINT und das Geschäftsmodell Deutschland“ vom Institut der Deutschen Wirtschaft.

Klingt logisch: Mit den richtigen Spezialisten im Unternehmen steht fortschrittlichen Neuerungen nichts im Wege. Die Realität sieht jedoch anders aus. Erst im April berichtete Die Welt, dass der Elektroindustrie aktuell „laut dem Branchenverband ZVEI bis zu 50.000 Mitarbeiter, angefangen bei Ingenieuren, über Softwareentwickler bis hin zu Facharbeitern und Logistikpersonal“ fehlten. Der IT-Branchenverband Bitkom beklagt zudem 55.000 unbesetzte Stellen für Computerspezialisten.
 

Wie sichern sich deutsche Unternehmen unter dem Druck des hohen Lohnniveaus und einem globalen Arbeitsmark erfahrene Fachkräfte und motivierten Nachwuchs? Gut ausgebildete Arbeitnehmende können heute problemlos innerhalb der EU ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt verlagern. Genau dieses Potenzial (was den Fachkräftemangel im Zuge der Modernisierung eigentlich relativieren sollte) schöpfen viele Unternehmen aber bisher kaum aus. 

In meiner Strategieberatung beobachte ich immer wieder, dass fehlendes kulturelles Verständnis und mangelnde Englischkenntnisse den Unternehmenserfolg negativ beeinflussen. Denn wenn die Unternehmensleitung im Meeting mit europäischen Kollegen auf einmal verstummt, weil Ideen und Strategien nicht kommuniziert werden können, dann bleiben wir im international Wettbewerb um kreative Köpfe auf der Strecke. Zu Innovationskraft gehört heute eben mehr als Prozessoptimierung und ein internes Vorschlagswesen; es braucht eine Unternehmenskultur, die Vielfalt in Sprache, Herkunft und Know-how als Chance begreift – und das bei der Personalsuche auch deutlich macht.


Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf SAZsport.