Marken müssen gelebt werden – Das Interview aus der sazSPORT

Was macht ein Label erfolgreich? Im Interview mit SAZsport erklärt der Strategieberater Julius Geis, wie er den Markenauftritt von Unternehmen aus Industrie und Handel von innen heraus neu aufstellt.

Unter dem etwas sperrigen Schlagwort der „identitätsbasierten Markenpositionierung“ ist Julius Geis mit seinem Unternehmen On Any Given Monday (OAGM) sowohl für die Sportindustrie als auch für den Sporthandel aktiv. Im Gespräch stellt er sein Konzept der Remote-Strategieberatung vor und verrät, wieso es beim Thema Marke immer auf die Menschen ankommt, die dahinterstehen.

SAZsport: Herr Geis, das Motto Ihres Beratungsunternehmens On Any Given Monday lautet „We make change attractive“. Was steckt dahinter?

Julius Geis: Der Grund für das Motto kommt aus unserer eigenen Historie. Meine Frau, geboren und aufgewachsen auf Maui, Hawaii, und ich haben uns nach vier Jahren in Hamburg entschieden, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Der ersten Euphorie – ein Leben am Meer und unter Palmen – folgten viele schmerzhafte Erfahrungen. Gerade die systemische Umstellung auf das Wirtschaftssystem und die Kultur in den USA waren äußerst schwierig. Auch der Austausch unter Kollegen wurde durch zwölf Stunden Zeitunterschied nicht einfacher. Aus diesem Mix aus erlebter Realität und spiritueller Visionskraft ist unsere Mission „We make change attractive“ entstanden. Heute haben wir uns den Chancen verschrieben, die in Veränderungsprozessen stecken – und zwar als Remote-Marken- und Strategieberatung. Aufgrund eigener Erfahrungen bin ich heute fest davon überzeugt, dass Veränderungen im persönlichen Umfeld wie auch im Unternehmen ein großes Potenzial für ganzheitlichen, nachhaltigen Unternehmenserfolg beinhalten.

 
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Founder & CEO

Julius Geis, Gründer von On Any Given Monday. Der Markenexperte berät seit zehn Jahren Unternehmen aus der Outdoor-, Sportfashion- und Modeindustrie hinsichtlich ihrer Markenpositionierung. Seine Karriere begann er als Brand- und Marketingmanager für internationale Sportunternehmen wie Hawk, Gotcha und Nitro Snowboards. Außerdem betreute er als Marketingmanager Sueddeutsche.de. 2010 gründete er die Agentur On Any Given Monday (OAGM), die für renommierte Firmen wie Willy Bogner und Bogner Fire & Ice, Telekom, Ritter Sport sowie für die Münchner Olympia-Bewerbung 2018 PR-, Social-Media- und Marketing-Konzepte entwickelte und umsetzte. Nach einem vorübergehenden Wechsel 2013 von der Agentur zu Julius Geis – Brand Aesthete kehrte er im letzten Jahr wieder zu OAGM zurück. Für SAZsport schreibt Julius Geis die Kolumne „Gipfelbuch“.

 

SAZsport: Sie bezeichnen Ihr Unternehmen als Remote-Strategieberatung. Wie sieht dieses Konzept genau aus?

Geis: Remote bedeutet, dass unser Unternehmen ortsunabhängig funktioniert, angefangen von der Kommunikation miteinander bis hin zu Abstimmungs- und Entscheidungsprozessen mit den Kunden. Natürlich sind Nachteile nicht von der Hand zu weisen: Wir können uns nicht mal schnell am Tisch zusammensetzen, um ein Thema zu besprechen und Lösungen zu erarbeiten. Oder den Kunden kurzfristig anrufen, um eine Idee vorzustellen. Alles muss einem gewissen Protokoll folgen, damit es funktioniert. Wir arbeiten momentan in fünf unterschiedlichen Zeitzonen und auf drei Kontinenten – hier heißt es umdenken. Der entscheidende Vorteil überwiegt allerdings: OAGM beschäftigt Menschen, die ihren Traum leben. Dabei sind die Träume und Motivationen sehr unterschiedlich: ein Leben am Pazifischen Ozean, die Nähe zu den Bergen oder eine angemessene Balance zwischen Familie und Karriere. Remote, also ortsunabhängiges Arbeiten, eröffnet viele neue Möglichkeiten. Das sorgt für Lebendigkeit und Frohsinn, was sich im Arbeitsergebnis für den Kunden positiv auswirkt. 

SAZsport: Dann sind Sie mit OAGM rund um den Globus aktiv?

Geis: Absolut. Neben unserem festen siebenköpfigen Team beschäftigen wir weltweit eine Vielzahl an Experten. Es ist eine große Kunst, die unterschiedlichen kulturellen Grundverständnisse so zusammenzubringen, dass am Ende das maximale Potenzial jedes Einzelnen für den Kunden abgeschöpft wird und wir uns nicht vor lauter Missverständnissen zerrissen haben. Deshalb gibt es bei uns eine Kulturbeauftragte, die moderiert und diese Missverständnisse aus dem Weg räumt.

SAZsport: Sie sind als Experte für identitätsbasierte Markenpositionierung unterwegs. Was verstehen Sie unter dem Begriff?

Geis: Wir bei OAGM verstehen „Marke“ grundsätzlich ganzheitlich, nicht nur als rein nach außen wirksames Logo, sondern als eine Kultur, die sowohl im Innen- als auch im Außenverhältnis lebendig ist. Wenn eine Markenstrategie nur aus schönen Bildern besteht, es aber an der Beziehung zwischen der Strategie und den Menschen in der Organisation fehlt, werden Konzepte oft nicht umgesetzt. Die Methodik hinter der identitätsbasierten Markenpositionierung besagt dagegen, dass wir Marken aus dem Inneren heraus erarbeiten. Zuerst gilt es, den gemeinsamen Nenner in einer Organisation zu finden, der für genügend Gemeinschaft und Visionskraft sorgt, damit Veränderung überhaupt möglich ist. Diese innere Haltung ist es, die dann im zweiten Schritt erfolgreich die Brücke zu Zielgruppen und Märkten schlägt. Das Ergebnis sind real umsetzbare Strategien, weil sie von der Gesamtorganisation verstanden und gelebt werden. Eine Marke positioniert sich also als logische Konsequenz aus Persönlichkeit und Potenzial und nicht aufgrund von Zahlen und äußeren Umständen.

SAZsport: Zu Ihren Kunden gehören viele Hersteller aus der Sportbranche. Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Geis: Wir haben z.B. im Jahr 2010 Bogner in die sozialen Medien gebracht und 2013 die erste Markenstrategie für Elkline erarbeitet. Das waren zwei bedeutsame Meilensteine. Aber was mich – egal bei welchem Kunden – besonders freut, ist, wenn Bewegung während der Zusammenarbeit zu erkennen ist. 

SAZsport: Für Händler haben Sie die Parole ausgegeben: „Wir machen Handel erfolgreich.“ Welchen Weg beschreiten Sie dabei?

Geis: Mit Globetrotter haben wir z.B. die neue Unternehmensmarke ausgearbeitet. Gemeinsam haben wir viel Konventionelles umgedacht, z.B. wie man sich selbst als Marke definiert und wie man als solche andere Marken verkauft anstatt nur als „Begegnungsplattform“ zwischen Angebot und Nachfrage zu agieren. 

SAZsport: Welche Tipps Richtung Markenbildung würden Sie dem Handel geben?

Geis: In unserer Workshop-Reihe „Retail-Illusion“ spreche ich von drei Kernfragen. Erstens „Identity“: Definiere den Sinn, die Werte und die Vision für dein Unternehmen. Zweitens „Promise“: Frage dich, wie die Erfahrungen aussehen, die deine Kunden machen sollen. Drittens „Translate“: Entwickle Konzepte, die dieses Erlebnisversprechen an jedem Kontaktpunkt an deine Kunden übermitteln. Das reicht von „Wie spricht meine Marke mit Kunden?“ bei Zahlungserinnerungen bis hin zum Serviceangebot. Wichtig dabei ist, Werte wie „bester Kundenservice“ nicht nur hinzuschreiben, sondern als Unternehmer zu belegen, was genau getan wird, um diesen „besten Kundenservice“ zu liefern. Hier halten die meisten Marken ihr Versprechen nicht ein. Und das schwächt nicht nur die Marke, sondern reduziert das Interesse der Kunden, dort einzukaufen.


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